Verfasst von: Gunther | November 13, 2009

34. Jesus in Samarien

34. Jesus in Samarien

(Joh. 4, 4-42)

Jesus musste aber durch Samarien reisen. Da kam er zu einer Stadt Samariens, die Sichar heißt, nahe bei dem Grundstücke, das einst Jakob seinem Sohne Joseph gab. Dort war ein Brunnen Jakobs. Jesus setzte sich, müde von der Reise wie er war, an dem Brunnen nieder. Es war ungefähr die sechste Stunde.

Da kam ein Weib, eine Samaritin, um Wasser zu schöpfen. Jesus sprach zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich fortgegangen in die Stadt, um Lebensmittel einzukaufen. Die Samaritin sagte zu ihm: „Wie begehrst du, ein Jude, von mir zu trinken, da ich eine Samaritin bin?“ Die Juden verkehrten nämlich nicht mit den Samaritern. Jesus antwortete ihr: „Wenn du die Gabe Gottes kenntest, und wer es ist, der zu dir sagt: Gib mir zu trinken, so hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Das Weib sprach zu ihm: „Herr, du hast kein Gefäß zum Schöpfen, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie auch seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Jeder, der von diesem Wasser trinkt, dürstet wieder; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zur Quelle eines Wassers werden, das fortströmt in das ewige Leben.“ Da sprach das Weib zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht mehr dürste und nicht mehr hierher zu kommen brauche, um zu schöpfen.“ Jesus sprach zu ihr: „Geh, ruf deinen Mann und komm hierher!“ Das Weib antwortete: „Ich habe keinen Mann.“ Jesus sagte zu ihr: „Mit Recht hast du gesagt: Ich habe keinen Mann. Denn fünf Männer hast du gehabt, aber der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; darin hast du die Wahrheit gesagt.“ Da sprach das Weib zu ihm: „Herr, ich sehe, du bist ein Prophet. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten müsse.“ Jesus sagte zu ihr: „Weib, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr den Vater weder auf diesem Berge noch in Jerusalem anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden. Aber es kommt die Stunde, und jetzt ist sie, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen ihn in Geist und Wahrheit anbeten.“ Das Weib sprach zu ihm: „Ich weiß, dass der Messias kommt (der Christus genannt wird); wenn der kommt, wird er uns alles verkünden.“ Jesus sprach zu ihr: „Ich bin es, der mit dir redet.“

In diesem Augenblicke kamen seine Jünger. Sie wunderten sich, dass er mit einem Weibe redete. Keiner jedoch sagte: „Was wünschest du? oder was redest du mir ihr?“

Das Weib ließ nun ihren Krug stehen, ging in die Stadt und sagte zu den Leuten: „Kommt und seht einen Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe; ob dieser nicht der Messias ist?“ Sie gingen also aus der Stadt und kamen zu ihm.

Unterdessen baten ihn seine Jünger und sagten: „Meister, iss!“ Er aber sprach zu ihnen: „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.“ Da sagten die Jünger zu einander: „Es hat ihm doch niemand zu essen gebracht?“ Jesus sprach zu ihnen: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, dass ich sein Werk vollbringe. Sagt ihr nicht: Noch sind vier Monate, und es kommt die Ernte? Siehe, ich sage euch: Erhebt eure Augen und schaut die Fluren, wie sie schon weiß sind für die Ernte! Und der Erntende empfängt Lohn und sammelt Frucht ins ewige Leben, damit der Säende zugleich sich freue und der Erntende. Denn in diesem Falle ist das Sprichwort wahr: Ein anderer ist, der sät, und ein anderer, der erntet. Ich habe euch entsendet, zu ernten, was ihr nicht bearbeitet habt. Andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.“

Aus jener Stadt aber glaubten viele der Samariter an ihn wegen des Wortes des Weibes, die bezeugte: „Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.“ Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, er möchte bei ihnen bleiben. Er blieb daselbst zwei Tage, und weit mehr glaubten an ihn wegen seines Wortes. Zu dem Weibe aber sagten sie: „Wir glauben nun nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser wahrhaft der Heiland der Welt ist.“

SANO di Pietro Woman of Samaria, 1400s SANO di Pietro Woman of Samaria, 1400sItalian painter, Sienese school (b. 1406, Siena, d. 1481, Siena) La samaritana al pozzo, particolare del Polittico dell'Assunta, Pinacoteca, Siena

Sano di Pietro (1406 – 1481): Die Samariterin

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